Historische Ansicht des Königsplatzes in Kitzingen im Jahr 1909.

Friedrich von Deuster

Friedrich von Deuster (1836-1911)
Prinzregent Luitpoldstraße 12

Christian Friedrich Deuster erblickte am 2. März 1836 in Kitzingen als viertes Kind des Weinhändlers Carl Otto Deuster II. und dessen Ehefrau Justine, geborene Hornschuh, das Licht der Welt. Die Familie Deuster stammte ursprünglich aus Kirn, das zwischen Idar-Oberstein und Bad Kreuznach an der Nahe liegt. Friedrich Deusters Großvater Carl Otto Deuster I. erhielt 1757 das Bürgerrecht der Stadt Kitzingen und seitdem betätigten sich die Deusters als Weinhändler, Kaufleute oder Bankiers. In den Jahren 1840/41 erwarb die Familie das Rittergut in Ditterswind (LK. Haßberge), das als Sommersitz und Kapitalanlage zugleich diente.

Nach dem Besuch des Gymnasiums in Meiningen studierte Friedrich Deuster zuerst zwei Semester Chemie an der Universität in Göttingen und schrieb sich dann im Wintersemester 1854/55 in das Fach Finanz- und Volkswirtschaft ein. Offensichtlich beendete er dieses Studium nicht, denn in seinem Gesuch um Ansässigmachung in der Stadt Kitzingen von 1866 findet sich kein Zeugnis darüber. Deuster war zu dieser Zeit als Weinhändler bei seinem Vater tätig und oft auf Geschäftsreisen. Nach dem Tod des Vaters 1877 verkaufte die Witwe die gesamten Besitzungen als Gemeinschaftseigentum an ihre drei Söhne, darunter das Stammhaus in der Luitpoldstraße 12, Weinberge und Äcker in Kitzingen, Rödelsee und Iphofen sowie das Rittersgut Ditterswind. In der Folgezeit begannen die Brüder mit dem Kauf von Immobilien im großen Stil. 1884 wurde die Familie von König Ludwig II. in den Adelsstand erhoben.

Ende des Jahres 1887 trat Friedrich von Deuster in die Kommunalpolitik ein und wurde auf Anhieb zum 2. Vorstand des Gemeindebevollmächtigtengremiums, Anfang 1889 dann zum 1. Vorstand dieses Gremiums gewählt. Dieses Amt hatte er bis 1908 inne. Neben dem Magistrat fungierte der Rat der Gemeindebevollmächtigten als weiteres Verwaltungsorgan, er verstand sich als Vertreter der Gemeinde. Der Magistrat musste die Zustimmung der Gemeindebevollmächtigten bei wichtigen Entscheidungen einholen, z.B. bei Verpachtungen und Geldausleihen aus Gemeinde- oder Stiftungsmitteln, bei Besoldungsfragen, bei Heimat- und Gemeinderechtsgebühren, bei der Gründung neuer Gemeindeanstalten, bei Gemeinde- und Stiftungsneubauten, bei dem Erwerbung und der Veräußerung von Grundbesitz, bei Kapitalanlagen, bei verschiedenen Steuer- und Gebührenregelungen sowie bei allen Darlehens- und Schuldenfragen. Seit 5. März 1888 war Friedrich von Deuster zudem auch Landrat und fungierte somit als Vertretungsorgan der Kreisgemeinde. In politischer Hinsicht war er konservativer Grundhaltung und dem Königreich Bayern stets treu ergeben. 

Ein besonderer Wesenszug der Familie Deuster war die über Generationen anhaltende Freigiebigkeit und das Eintreten für soziale Belange sowie die Bemühung um Verschönerung von Stadt und Land. So waren es die Brüder Oskar und Friedrich Deuster, die bei der Errichtung des Königsplatzes 1884 mit hohem finanziellem Engagement beteiligt waren oder auch die städtischen Anlagen des Verschönerungsvereins oberhalb des Bahnhofs als Freizeitgelände kräftig bezuschussten.

Historische Ansicht des Königsplatzes in Kitzingen im Jahr 1909.


Paul-Eber-Denkmal neben der evangelischen Kirche.

Unvergessen bleibt Friedrich von Deusters Engagement für die evangelische Gemeinde. Hier trat er mehrmals als Stifter und Spender hervor. So ließ er zwei alte Häuser an der Ecke Kapuzinergasse/Schreibergasse abreißen und einen Neubau für die Industrie- und Haushaltungsschule errichten, der zusammen mit dem Städtischen Krankenhaus im Jahre 1902 eingeweiht werden konnte. Deuster war auch einer der Mitbegründer des Städtischen Museums 1895 und stattete es großzügig mit Exponaten aus seinem Familienbesitz aus. 1898 stiftete er das Paul-Eber-Denkmal vor dem Kirchturm der Evangelischen Stadtkirche

Friedrich von Deuster wurde am 17. Januar 1906 das Ehrenbürgerrecht der Stadt Kitzingen verliehen, da er sich „viele und große Verdienste um das Gemeinwesen“ erworben hat. Aus gesundheitlichen Gründen musste er zwei Jahre später sein Amt als 1. Vorstand des Gemeindebevollmächtigtengremiums abgeben. Deuster zog sich auf das elterliche Rittergut Ditterswind zurück, wo er am 1. Oktober 1911 verstarb. Die Beerdigung Friedrichs von Deuster fand am 4. Oktober 1911 auf Alten Friedhof statt. Fünf Tage später wurden Einzelheiten aus dem Testament des Verstorbenen bekannt. Demnach spendete der unverheiratete und kinderlose Friedrich von Deuster 10.000 Mark für die protestantische Kinderbewahranstalt und Industrie- und Haushaltungsschule, weitere 10.000 Mark für die neue Pfründeanstalt und 1.000 Mark sollten zur sofortigen Verteilung an Stadtarme verwendet werden.

Literatur: Kitzinger Zeitung vom 2. Oktober 1911.
Volker Rößner: Die Familie von Deuster. In: Jahrbuch für den Landkreis Kitzingen 2009. Kitzingen 2009.
Doris Badel: Ein Jahrhundert blickt zurück 1900-1924. Kitzingen 2007.

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