Die Bonbonfabrik Wildhagen kurz vor dem Abbruch 1991.

August Wildhagen

August Wildhagen (1856 - 1932)

August Carl Theodor Wildhagen wurde am 18. Oktober 1856 in Rübeland am Brocken (Landkreis Harz) geboren und absolvierte nach seiner Schulzeit eine Lehre in den Harzer Eisenwerken. Er zog im Jahr 1884 nach Kitzingen, zuerst Wörthstraße 816/818 (Wörthstraße 25), dann Mühlbergstraße 1, und gründete gemeinsam mit seinem Schwiegervater, dem Bankier Kommerzienrat Georg Bachmann, am 25. August 1884 die Firma A. Wildhagen u. Co., die den Vertrieb der „Feinen Schweizer Bonbons“ der Firma Klaus für ganz Deutschland auf eigene Rechnung übernahm. Drei Jahre später erwarben die Brüder ein eigenes Fabrikanwesen in Kitzingen, in dem sie die bis zu diesem Zeitpunkt nur in der Schweiz hergestellten Bonbons selbst produzierten. 1905 gründete er mit seinem Bruder Hermann die Pfirschinger Mineralwerke, die als erste deutsche Fabrik Bleicherde für Öle und Fette herstellte.

Briefkopf der Dampfwaren- und Confisseriefabrik A. Wildhagen 1890

Das Bürgerrecht der Stadt Kitzingen erwarb August Wildhagen am 3. Mai 1900. Am 12. Mai 1911 wurde er mit dem ehrenvollen Titel Kommerzienrat ausgezeichnet. In dem von Bürgermeister Ludwig Graff formulierten Antrag an die Kgl. Regierung von Unterfranken und Aschaffenburg heißt es:

„Herr August Wildhagen betreibt mit seinem Bruder Hermann dahier eine Confisseriewarenfabrik, welche seit Jahren in vollster Blüte steht und für die hiesige Bevölkerung von großem Segen ist. Es werden in dieser Fabrik außer eigentlichen Confisseriewaren auch Mentholpastillen gefertigt. Diese Fabrikation verpflanzte Herr August Wildhagen von der Schweiz nach Bayern. Außerdem haben die Herren August und Hermann Wildhagen dahier eine vollständig neue Fabrikation durch die Erbauung der sogenannten Pfirschinger Mineralwerke errichtet. Durch diese Werke gewinnt die Firma in Niederbayern in der Gemeinde Pfirsching, Bezirksamt Eggenfelden, Erde, welche in der hiesigen Fabrik chemisch verarbeitet wird und zur Reinigung von Ölen und anderen Zwecken dient. Diese Produkte finden hauptsächlich im Ausland großen Absatz. Im Ganzen wird die Firma circa 210 bis 220 Arbeiter pro Jahr beschäftigen.

In gemeinnütziger Weise ist Herr August Wildhagen vielfach hervorgetreten. So stiftete er im vorigen Jahr 5000 Mark für ein hier zu errichtendes Volksbad, weitere 3000 Mark hat derselbe zum Betrieb desselben in Aussicht gestellt und weiter hat derselbe den Vorstand des Magistrats ermächtigt, den in Privatbesitz befindlichen Winterhafen am Main auf seine Kosten für die Stadt anzukaufen, um die Mainschifffahrt an hiesigem Ort wieder zu heben. Als Vorstand des Männervereins des roten Kreuzes entfaltet er eine ersprießliche Tätigkeit für das rote Kreuz, und endlich erwarb er sich ganz besondere Verdienste als Geflügelzüchter und Sachverständiger in Geflügelzuchtangelegenheiten. Im Auftrag des Deutschen Reiches veranstaltete er, wie wir unterrichtet sind, mit großem Erfolg die deutsche Geflügelausstellung in Brüssel auf der Weltausstellung. Erst vor kurzem arbeitete er im Auftrag des deutschen Kolonialamtes ein Gutachten über die Geflügelzucht in den deutschen Kolonien aus, machte schon mehrfach Entwürfe von Geflügelzuchtanstalten größeren Stils, die in der Fachpresse und seitens der staatlichen Behörden oftmals Anerkennung fanden. Er wurde für diese Tätigkeit mit preußischen und ausländischen (russischen, spanischen und belgischen) Orden ausgezeichnet.

Diese weitverzweigte industrielle und gemeinnützige Tätigkeit möchte Herrn August Wildhagen einer allerhöchsten Auszeichnung würdig erscheinen lassen.“
Fotografie von Kommerzienrat August Wildhagen 1926.

Kommerzienrat August Wildhagen war Vorsitzender der Kitzinger Ortsgruppe des Bayerischen Kanal- und Schifffahrtsvereins, Förderer der Mainkanalisation, des Flugsports, der Geflügelzucht (Wildhagen zählte zu den führenden deutschen Rassegeflügelzüchtern), des Luitpoldbades sowie der Sanitätskolonne und des Roten Kreuzes, für deren Kriegslazarett er eine namhafte Spende von 10.000 Mark geleistet sowie mehrere Krankenwägen geschenkt hat. Seine soziale Kompetenz war sehr hoch und er hatte stets eine offene Hand für die Armen und Benachteiligten, unterstützte nach Kräften verschiedene Wohlfahrtsorganisationen. So spendete er nach Kriegsende 1920 eine beträchtliche Geldsumme für den Bau neuer Wohnungen für Notleidende.

Auch politisch war August Wildhagen interessiert und engagiert. Als Vertreter einer überparteilichen Vereinigung aller wirtschaftlichen Gruppen Kitzingens, die sich den Namen „Bürgerblock“ gegeben hatte, wurde er am 7. Dezember 1924 in den Stadtrat gewählt, wo er bis zu seinem Tod am 25. Dezember 1932 eine wichtige Rolle spielte. In seinem Nachruf hieß es: „Mit August Wildhagen ging ein echt deutscher Mann von altem Schrot und Korn. Sein Leben war Dienst an seinem Volke – dafür wird ihm der Dank sein, auch über das Grab hinaus.“ Wildhagen fand am alten Friedhof in Kitzingen seine letzte Ruhe. Mit ihm verlor Kitzingen eine seiner markantesten Persönlichkeiten.

Quellen:

  • Akt des Stadtmagistrats Kitzingen: I/A/8/02: Ordensdekorationen und Ehrenzeichen, 1871 – 1904.
  • Akt des Stadtmagistrats Kitzingen: I/A/8/22: Auszeichnungen, 1905 – 1914.
  • Bürgerrechtsakten: Nr. 210: Wildhagen, Hermann Julius, 1893. Nr. 227: Wildhagen, August, Fabrikant, 1900. Nr. 308: Wildhagen, Richard, Kaufmann, 1914.
  • Ratsprotokolle seit 1945
  • Falkenstein, Stephanie: Die Wildhagenvilla. Ein Beitrag zur Wohn- und Lebenskultur der Gründerzeit in Kitzingen. Schriftenreihe des Städtischen Museums Kitzingen Band 11, Kitzingen 2016.

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