Außenansicht des Wohnhauses Korbacher.

Michael Korbacher

Michael Korbacher (1861-1943)
Wohhaus: Güterhallstraße 3

Lageplan Ziegelei Korbacher

Michael Korbacher, geboren am 5. April 1861 in Waigolshausen (Lk. Schweinfurt), war der Sohn des dort ansässigen Maurers und Baumeisters Michael Korbacher und dessen Frau Barbara. Seit 1882 war er in Kitzingen ansässig, erlangte 1888 das Bürgerrecht der Stadt und heiratete ein Jahr später Eva Maria Eberth (1866-1939).

Sein älterer Bruder Lorenz (1856-1891) zog bereits 1870 in die Mainstadt und betrieb dort ein Maurergeschäft. 1879 erlangte er das Bürgerrecht der Stadt und ehelichte Katharina Lutz, Tochter des Schiffers Johann Lutz, der jedoch seit 1865 eine Feldziegelei (Kalk- und Backsteinbrennerei) in seinem Anwesen in der Güterhallstraße 845 (seit 1900: Hausnummer 3) betrieb. Durch diese Heirat wurde Lorenz Korbacher Mitbesitzer der Ziegelei und übernahm sie schließlich nach dem Tod seines Schwiegervaters ganz.

Außenansicht des Wohnhauses Korbacher.

Im Zuge der Erweiterung des Baugeschäfts und Vergrößerung der Ziegelei erbauten die Korbachers 1889 ein zweites Wohnhaus in der Güterhallstraße Nr. 16. Der jüngere Michael wohnte bis zu diesem Zeitpunkt gemeinsam mit seinem Bruder Lorenz und dessen Familie in der Güterhallstraße 3. Nach seiner Heirat mit Eva Maria Eberth im selben Jahr zog er dann in dieses neue Gebäude um.

Nach und nach vergrößerten die geschäftstüchtigen und fleißigen Brüder ihren Grundbesitz, der sich von der Güterhallstraße bis zur Kaltensondheimer Straße/Ecke Friedenstraße erstreckte, und errichteten neue Nebengebäude, Werkstätten, Scheunen, Holz- und Bretterlager, Bürogebäude sowie weitere Anbauten. Unter der Adresse Kaltensondheimer Straße 5 betrieben sie seit 1885 sehr erfolgreich das Baugeschäft „Gebrüder Korbacher“ und bekamen viele Aufträge. Nach dem Tod von Lorenz Korbacher am 25. September 1891 führte Bruder Michael beide Geschäfte weiter, bis sein Neffe Wilhelm die Ziegelei seines verstorbenen Vaters übernehmen konnte.

Situationsplan des Baugeschäfts Korbacher

Anfang des Jahres 1912 übergab Michael Korbacher sein gleichnamiges Baugeschäft aus Alters- und Gesundheitsgründen an seine Bauführer und langjährige Mitarbeiter Franz Benz und Johann Schardt. Diese erhielten im Mai 1912 als ersten großen städtischen Auftrag den Bau des neuen Wasserwerks in der Mainstockheimer Straße 23. Johann Schardt, geboren am 20. Mai 1877 in Marktbreit, wohnte seit 1896 in Kitzingen. Nach dem Tod des Teilhabers Franz Benz im Jahre 1936 trat sein Sohn Georg Schardt in das Baugeschäft ein, das von nun an die Bezeichnung „Johann Schardt & Sohn“ führte. Der zweite Weltkrieg brachte dem Baugeschäft und der Ziegelei einen harten Schicksalsschlag. Beim verheerenden amerikanischen Luftangriff auf Kitzingen vom 23. Februar 1945 erhielt die Firma, die sich in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof befand, einem der Hauptziele des Angriffs, Totalschaden. Vater und Sohn bauten sie jedoch wieder erfolgreich auf und führten sie einer neuen Blütezeit entgegen.

Letztes Gemeindekollegium von Michael Korbacher 1919. Alle Gemeinderatsmitglieder sitzen im Historischen Sitzungssaal an einer langen Tafel zusammen.

Zurück zu Michael Korbacher! Dieser gehörte seit 1906 dem Gemeindekollegium an und war von 1908 bis 1919 sogar Vorstand desselben. Neben dem Magistrat fungierte ein Rat der Gemeindebevollmächtigten als weiteres Verwaltungsorgan und Vertreter der Gemeinde. Der Magistrat benötigte die Zustimmung der Gemeindebevollmächtigten u.a. bei Verpachtungen aus Gemeinde- oder Stiftungsmitteln, bei Besoldungsfragen, bei der Gründung neuer Gemeindeanstalten, bei Gemeinde- und Stiftungsneubauten, bei Kauf und Verkauf von Grundbesitz, bei Kapitalanlagen, bei verschiedenen Steuer- und Gebührenregelungen sowie bei allen Darlehens- und Schuldenfragen.

Im Jahr 1917 wurde Korbacher mit dem „Verdienstorden vom Hl. Michael IV. Klasse“ ausgezeichnet. Bürgermeister Ludwig Graffs Begründung dafür lautete:

„Sein Geschäft als Vorstand des Gemeindekollegiums führt er in großzügiger und gewissenhafter Weise und ist auch seinem tatkräftigen Eingreifen oftmals zu danken, daß größere auch die Zukunft Kitzingens ins Auge fassende Projekte verwirklicht werden. Seit Ausbruch des Krieges hat er sich insbesondere als Leiter der Reichsbekleidungsstelle für den hiesigen Kommunalverband verdient gemacht. Ohne Zweifel ein äußerst fleißiger und tüchtiger Vorstand des Gemeindekollegiums und erfreut sich in weiten Kreisen der hiesigen Bevölkerung großen Ansehens. Er hatte früher ein Baugeschäft und genoss auch als Geschäftsmann einen sehr guten Ruf und brachte sein Geschäft auf sehr ansehnliche Höhe. Korbacher wird daher zur Allerhöchsten Auszeichnung für die Verleihung eines Ordens in Vorschlag gebracht.“

Korbacher war ein großzügiger und fortschrittlicher Mensch. So ließ er 1910 auf seine Kosten im Garten des neuen katholischen Kindergartens in der Ritterstraße 5 überdachte Hallen und Spielplätze erbauen und forderte ebenfalls 1910 den Bau einer elektrischen Überlandzentrale in Kitzingen. Er sah im "Mangel an Elektrizität stets ein Hindernis für die Entwicklung der Industrie in hiesiger Stadt" und warnte davor, rückständiger als die umliegenden Gemeinden zu sein, die bereits an die Überlandzentrale angeschlossen sind.

Retortenhaus mit Uhrstube

Michael Korbacher starb am 13. Juni 1943 in Kitzingen. Er hat das Stadtbild Kitzingens ein Vierteljahrhundert geprägt wie kaum ein anderer. Sein Name ist verbunden mit dem Bau der meisten großen Kitzinger Villen (u.a. Buchner, Völker, Fromm, Heidingsfelder), großzügiger neuer Straßenzüge (Bismarck-, Wörth- oder Moltkestraße) sowie auch mit bedeutenden Gemeinde- und Staatsbauten, zu denen die städtische Turnhalle und Gasfabrik, das Leichenhaus oder die Schlachthausanlage zählen. Zudem war er auch neben dem planenden Baumeister und städtischen Bautechniker Christoph F. Schneider als ausführender Baumeister für die 1883 eingeweihte Synagoge in der Schrannenstraße verantwortlich. Aber auch viele Industrieanlagen und Wohnhäuser sind unter seiner Bauleitung entstanden. So hat er den großen Saal des "Fränkischen Hofes" erbaut, die Farbenfabrik mit Villa der Fa. Rometsch & Co sowie Bierkellerei, Sudhaus und die großen Stallungen der Brauerei Kleinschroth.

Bürgermeister Siegmund Graff ehrte den Kitzinger Baumeister anlässlich der oben erwähnten Ordensverleihung 1917 mit folgenden Worten:

"Sein Unternehmungsgeist veranlaßte ihn zur Herstellung spektakulärer Wohnhaus- und Geschäftsbauten, wodurch Fremdenzuzug und Steuersoll günstig beeinflußt wurden und die allgemeine Bautätigkeit die größte Förderung erfuhr. Seine Arbeiter ehrten ihn, weil er ihnen jederzeit ein gerechter Herr und Meister war."

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