Außenansicht der protestantischen Industrie- und Haushaltungsschule.
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Frida von Soden

Frida von Soden (1860-1933)
Kapuzinerstraße 19

Außenansicht der protestantischen Industrie- und Haushaltungsschule.

Frida von Soden, nach der das Seniorenheim in der Kanzler-Stürtzel-Straße benannt ist, wurde 1860 auf Gut Neuhaus bei Hannover geboren und besuchte nach dem Tod ihrer Eltern die höhere Schule in Neuendettelsau. Sie entschloss sich für den Lebensberuf der Diakonisse und war in verschiedenen Einrichtungen als Lehrschwester tätig. Im Alter von 36 Jahren begann sie mit ihrer Arbeit in der wirtschaftlich aufblühenden Handels- und Gewerbestadt Kitzingen.

Kinderschule, Krankenpflege und das große Hauswesen standen unter ihrer Oberleitung. Dazu leitete sie auch die „Handarbeits- und Industrieschule“, die allen Töchtern ohne Unterschied der Konfession offen stand. Als Lehrkräfte dienten drei in Handarbeiten ausgebildeten Diakonissen von Neuendettelsau. Wegen des Raummangels musste der Unterricht im protestantischen Schulgebäude gegeben werden, wo täglich 150 schulentlassene Mädchen unterrichtet wurden.

Der Aufschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse verlangte jedoch nach einer noch vielseitigeren hauswirtschaftlichen Ausbildung der weiblichen Jugend. So wurde auf Wunsch der evangelischen Gemeinde im Frühjahr 1896 als Ergänzung der Industrieschule eine eigene Haushaltungsschule gegründet. Auswärtigen Schülerinnen diente sie als Pensionat. Dank einer großzügigen Spende der Familie von Deuster konnte das räumlich beschränkte Anstaltsgebäude aufgestockt und durch einen östlichen Anbau erweitert werden.

Bügelsaal in der Industrie- und Haushaltungsschule. Mehrere Frauen üben das richtige Bügeln unter Aufsicht und Anleitung.

Unter der Oberleitung von Frida von Soden begann der Unterricht am 15. September 1896. Die im Aufbau befindliche Industrie- und Haushaltungsschule zählte 1897 bereits 22 Elevinnen. Bald war der Ruf der Kitzinger Haushaltungsschule so gut, dass wesentlich mehr Anmeldungen vorlagen, als Pensionärinnen aufgenommen werden konnten.

Ständig wurden die Einrichtungen erweitert und von Soden schaffte es auch während der schweren Zeit des Ersten Weltkriegs mit Tatkraft und Einfallsreichtum, sich um Krankenpflege, Kindererziehung, Hauswirtschaft und Behindertenarbeit in Kitzingen zu kümmern.

1921 stiftete die fromme, praktische und großzügige Frau einen nach ihren Entwürfen gefertigtes, mit zwölf Edelsteinen verzierten Abendmahlgerät (Kelch und Hostienteller), das – was viele der Dekanatsfrauen nicht wussten – noch heute bei jeder Abendmahlsfeier in Gebrauch ist. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte von Soden, außerhalb der Stadt, in der Kanzler-Stürtzel-Straße, ein großes Grundstück gekauft, auf dem 1955 bis 1957 das neue Alten- und Pflegeheim gebaut wurde, das seit 1995 ihren Namen trägt, erfuhren die Zuhörerinnen.

32 Jahre lang führte Schwester Frida die „Protestantische Anstalt“ und prägte somit das evangelische Leben der Stadt Kitzingen, bevor sie 1928 nach Neuendettelsau ins Feierabendhaus zurückkehrte, wo sie nach schwerer Krankheit und fast blind am 1. Oktober 1933 starb.

Literatur: Richard Herz: Chronik der Evang. Luth. Kirchengemeinde Kitzingen, Kitzingen 1963.
Christoph Schmerl: Das soziale Engagement der evangelischen Gemeinde um die Jahrhundertwende. In: Helga Walter, 1250 Jahre Kitzingen am Main, Schriften des Stadtarchivs Kitzingen, Band 4, Kitzingen 1995.

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