Das renovierte Schmiedelquartier in der Schmiedelstraße 1 im Jahr 2021.
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Andreas Schmiedel

Andreas Schmiedel (1829-1882)
Wohnhaus: Schmiedelstraße 1

Kitzinger Bahnhof zur Jahrhundertwende

Der am 16.12.1829 in Thierstein/Oberfranken geborene Andreas Schmiedel besuchte das Gymnasium in Bayreuth und studierte in Erlangen Jura, wo er 1855 das erste bzw. 1857 das zweite Staatsexamen ablegte. Am 15. Juli 1858 wurde er zum ersten Mal in Kitzingen tätig, um Bürgermeister Förster in dessen Funktion als Rechtsrat zu unterstützen. Diese Tätigkeit übte er bis zum 28. Oktober 1859 aus. Spuren seines damaligen Wirkens finden sich vor allem im Stadtarchiv, denn auf Schmiedel sind die Ordnung der Registratur sowie die Anlegung eines Findbuchs zurückzuführen.

Als Bürgermeister Andreas Förster Ende des Jahres 1859 sein Amt niederlegte und ans Landgericht Ebern wechselte, übernahm Schmiedel am 3. Dezember 1859 kommissarisch die Geschäfte des rechtskundigen Bürgermeisters. Bei der ausgeschriebenen Neuwahl zum Bürgermeister der Stadt Kitzingen am 20. Januar 1860 kandidierte er, setzte sich gegen acht Mitbewerber durch und wurde am 1. Februar 1860 als neuer rechtskundiger Bürgermeister vereidigt.

Der linksliberale Protestant Schmiedel war ein großer Förderer von Wirtschaft und Kultur über alle konfessionellen Grenzen hinweg. Mit seinem Namen ist die Modernisierung des städtischen Gemeinwesens unmittelbar verbunden. Während seiner bis zum 30. November 1881 dauernden Amtszeit erlangte Kitzingen die Kreisunmittelbarkeit und die Stadterweiterung wurde vollzogen. Jenseits der Stadtmauern entstanden weitläufige Wohngebiete, neue Straßen, Plätze und Grünanlagen wurden angelegt. Alte Mauern, Tore und Türme (u.a. Faltertor, Brücken- und Sixtenturm) fielen der Verschönerung des Stadtbilds zum Opfer, Kitzingen wurde freundlicher und heller, die Straßen erhielten ein neues Pflaster.

Weitere Meilensteine seiner Politik waren der Anschluss Kitzingens an das Eisenbahnnetz 1865, die Wiederentstehung einer jüdischen Gemeinde, die 1883 im Bau einer prächtigen Synagoge gipfelte, die Anlegung einer neuen Wasserleitung, eines Wasser- und Gaswerks, der Ausbau des höheren Schulwesens zur Verbesserung des Bildungsangebots sowie die Gründung einer Volksschulbibliothek und eines Spar- und Vorschussvereins auf Genossenschaftsbasis.

Die 1871 erbaute Gewerbeschule im Rosengarten. Am rechten Bildrand ist das 1878 eingeweihte Kriegerdenkmal zu sehen, eine Erinnerung an den erfolgreichen Krieg gegen Frankreich 1870/71.

Die 1871 erbaute Gewerbeschule im Rosengarten, in unmittelbarer Nähe zu Schmiedels Wohnhaus, wurde 1877 zu einer sechsklassigen Realschule umgebaut. Am rechten Bildrand ist das 1878 eingeweihte Kriegerdenkmal zu sehen, eine Erinnerung an den erfolgreichen Krieg gegen Frankreich 1870/71.

Andreas Schmiedel war seit 1865 mit der Weinhändlerstochter Margaretha Barbara Gebhardt aus Sommerhausen verheiratet, die ihm drei Kinder gebar, vier Jahre nach der Hochzeit jedoch verstarb. Seine zweite Frau Julie, geborene Gründler, Tochter eines Landgerichtsassessors, die er 1871 heiratete, schenkte ihm weitere drei Kinder. Bürgermeister Schmiedel wohnte zu diesem Zeitpunkt mit seiner Familie außerhalb des alten Stadtkerns im neu erbauten Wohnhaus seines Schwiegervaters in der Realschulstraße 861. Kurz nach seinem Rücktritt vom Bürgermeisteramt ist Andreas Schmiedel am 17. August 1882 im Alter von 53 Jahren verstorben. Sechs Jahre nach seinem Tod ist die Realschulstraße ihm zu Ehren in Schmiedelstraße umbenannt worden. Die damalige Adresse Realschulstraße 861 entspricht der heutigen Hausnummer Schmiedelstraße 1.


Literatur: Christian Wolfsberger: Kitzingen – Kommunalpolitik und Modernisierung einer bayerischen Stadt 1818 – 1918, S. 133 – 164. In: Mainfränkische Studien, Band 72, Würzburg 2005.

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